Sie haben ein Bauteil konstruiert und wollen es fertigen lassen – die Frage ist nur, ob es so aus der Maschine kommt, wie es im CAD steht. Diese Seite beantwortet genau das: welche Wandstärke wir noch drucken, wo Überhänge Stützen brauchen, wie viel Platz eine Passung und ein Gewindeeinsatz braucht und welche Exportfehler Rückfragen auslösen. Sie brauchen dafür keinen eigenen Drucker und keine Slicer-Kenntnisse – nur eine saubere Datei. Den Rest machen wir.
Die Eckdaten für Ihr Modell
Wandstärke: das Maß, an dem die meisten Teile scheitern
Die Mindestwandstärke ist die Grenze, unter der wir eine Fläche nicht mehr zuverlässig fertigen – kein Zielwert. Eine Wand genau auf der Grenze entsteht, trägt aber nichts.
Im FDM hat das einen greifbaren Grund: Das Teil entsteht aus Linien, die so breit sind wie die Düse – 0,4 mm auf dem Standarddrucker, 0,6 mm auf dem XXL. Unser Profil legt drei Außenlinien, eine Wand von 1,2 mm ist damit durchgehend massiv (XXL: 1,8 mm). Vielfache der Linienbreite kommen sauber heraus; 1,1 mm ergibt zwei Linien und einen Rest, den die Maschine irgendwie füllen muss.
| Verfahren | Mindestwandstärke | Sinnvolles Raster (Faustregel) |
|---|---|---|
| FDM Standard | 0,8 mm | Vielfache von 0,4 mm: 0,8 / 1,2 / 1,6 / 2,0 |
| FDM XXL | 1,2 mm | Vielfache von 0,6 mm: 1,2 / 1,8 / 2,4 |
| SLA | 0,3 mm | Mindestmaß nur für Details, nicht für tragende Flächen |
| SLS | 0,8 mm | 0,8 mm ist die Grenze; Funktionsflächen dicker vorsehen |
Hat Ihr Teil eine einzige zu dünne Rippe, ist nicht das Teil verloren – meist genügt es, diese Fläche aufzudicken. Der Kalkulator prüft Ihr Modell beim Hochladen gegen Bauraum und Wandstärke des gewählten Verfahrens.
Überhänge: wo Stützen entstehen
Im FDM und im SLA wird jede Schicht auf der darunterliegenden abgelegt. Kippt eine Fläche zu weit von der Senkrechten weg, fehlt der neuen Schicht die Auflage und wir bauen eine Stützstruktur darunter. Faustregel: bis etwa 45° geht es ohne. Die genaue Grenze entscheiden wir pro Bauteil, Material und Orientierung – Sie stellen dafür nichts ein. Relevant ist für Sie nur, dass Stützen Kontaktstellen auf der Oberfläche hinterlassen. Drei Griffe sparen sie:
Ein waagerecht auskragender Absatz braucht eine Stütze. Dieselbe Funktion als 45°-Fase trägt sich selbst – und sieht unten besser aus.
Eine Bohrung quer zur Aufbaurichtung hat oben einen waagerechten Scheitel. Als Tropfenform bleibt das Loch rund statt zu hängen.
Was Sie ohnehin versteifen wollen, führen Sie bis zur Grundfläche – dann trägt sich der Überhang selbst.
Der bequemste Weg um das Thema herum ist das Verfahren: SLS arbeitet im Pulverbett, das lose Pulver trägt jeden Überhang und Hinterschnitt – dort gibt es keinen Überhangwinkel. Was das Entfernen der Stützen bei FDM und SLA hinterlässt, steht auf Nachbearbeitung.
Bohrungen, Passungen und Innenkanten
Additive Verfahren treffen ein Nennmaß nicht wie eine Reibahle. Konstruieren Sie Passungen deshalb mit Spiel als eigenem, bewusst gesetztem Maß – und sagen Sie dazu, welche Fläche die maßhaltige ist. Welche Abweichungen die Verfahren real erreichen, steht auf Toleranzen und Maßhaltigkeit.
Deckel und Gehäuse, Welle und Buchse: im selben Auftrag, Verfahren und Material. Dann verhalten sich beide Hälften gleich – mehr wert als jede Nachkommastelle in der Zeichnung.
Die scharfe Innenecke ist die Stelle, an der ein Kunststoffteil bricht. Ein Radius verteilt die Spannung und druckt sich sauberer als eine Kante, die ohnehin leicht verrundet.
Die erste Schicht wird angedrückt und läuft an der Kante minimal breiter aus. Eine exakte Fläche sollte nicht die Auflagefläche sein.
Wandstärke für Gewindeeinsätze
Ein Gewinde direkt in den Kunststoff zu konstruieren, hält selten lange. Für FDM-Teile schmelzen wir stattdessen Messing-Einsätze ein, die Sie im Kalkulator dazubestellen. Ihr Modell braucht dafür ein zylindrisches Loch und genug Material drumherum:
| Gewinde | Bohrung Ø (mm) | Bohrungstiefe (mm) | Außen-Ø (mm) | kurze Variante (mm) |
|---|---|---|---|---|
| M2 | 3,25 | 5,0 | 3,6 | – |
| M2.5 / M3 | 4,05 | 6,7 | 4,6 | 4,2 |
| M4 | 5,65 | 9,1 | 6,3 | 4,2 |
| M5 | 6,45 | 10,5 | 7,1 | 6,0 |
| M6 | 8,05 | 13,7 | 8,7 | 7,0 |
| M8 | 9,65 | 13,7 | 10,1 | – |
| M10 | 12,05 | 13,7 | 12,6 | – |
Zwei Zahlen entscheiden. Die Bohrungstiefe sagt, wie viel Material hinter der Fläche stehen muss: ein M6 in einer 8 mm dicken Wand geht nicht auf, die kurze Variante mit 7,0 mm schon. Der Außendurchmesser sagt, wie dick der Dom sein muss – 8,7 mm beim M6 brauchen mehr als eine 2-mm-Wand.
Auf das Hundertstel konstruieren müssen Sie nicht: Der Kalkulator sucht die zylindrischen Bohrungen im Modell, zeigt sie einzeln an und weitet die ausgewählte auf Durchmesser und Tiefe des Einsatzes auf. Steht dahinter zu wenig Material, wird die Größe gar nicht angeboten. Mehr dazu auf Gewinde in 3D-Druckteilen.
Bauraum und Orientierung
Wie Sie das Teil in der Datei drehen, ist uns egal – für den Druck richten wir es neu aus. Wichtig ist nur, dass es in einen Bauraum passt.
| Verfahren | Bauraum | Richtungsverhalten |
|---|---|---|
| FDM Standard | 241 × 210 × 210 mm | in der Schichtebene belastbar, quer weniger |
| FDM XXL | 360 × 360 × 360 mm | wie oben, nur die PLA-Werkstoffe (PLA, PLA Plus, ESD-PLA) |
| SLA | 200 × 125 × 210 mm | geneigt gedruckt, Stützen einseitig |
| SLS | 159 × 159 × 295 mm | richtungsunabhängig belastbar |
Hinter den Bauräumen stehen konkrete Maschinen in unserer Werkstatt in Verden: die Formlabs Form 4 im SLA, die Fuse 1 im SLS, Drucker von Prusa im FDM. Weil Prusa seine Drucker offen dokumentiert, sind Linienbreite, Wandstärke und Bauraum auf dieser Seite für genau diese Maschinen belegt – Sie konstruieren gegen die Grenzen des Druckers, auf dem Ihr Bauteil entsteht, nicht gegen allgemeine Richtwerte. Mehr dazu auf Maschinen und Materialien.
Passt das Bauteil nirgends hinein, teilen wir es in Segmente zum Verkleben. Das lässt sich vorbereiten: Trennebene dorthin legen, wo keine Last quer durch die Fuge geht, und Passstifte oder eine Nut vorsehen. Muss das Teil aus jeder Richtung halten, ist PA12 aus dem SLS-Druck die einfachere Antwort als jede Orientierungsdiskussion.
Wo der Export schiefgeht
Die vier häufigsten Fehler in hochgeladenen Dateien:
Offene Kanten, umgedrehte Normalen, sich durchdringende Körper: Dann ist nicht eindeutig, was innen und außen ist. Eine automatische Reparatur läuft bei uns nicht mit – ein löchriges Netz ergibt ein falsches Volumen und einen falschen Preis.
Wir rechnen in Millimetern, eine Umschaltung gibt es nicht. Ein in Zoll exportiertes Modell steht um den Faktor 25,4 daneben – das fällt meist erst auf, weil es nicht in den Bauraum passt.
STL kennt keine Rundungen, nur Dreiecke. Ist die Auflösung zu grob, wird aus dem Zylinder ein Vieleck – und genau so drucken wir ihn. Stellen Sie die Abweichung feiner ein als die Schichthöhe.
STEP, IGES und BREP nehmen wir direkt an und wandeln sie bei uns in ein Netz um. Damit entfällt die Tessellierungsfrage – bis 256 MB, ohne Vorbereitung.
So läuft Ihre Bestellung
Im Preisrechner oder direkt im FDM-Kalkulator. Ihr Teil erscheint im 3D-Viewer.
Der Vergleich stellt FDM, SLA und SLS nebeneinander; beim Werkstoff hilft der Materialfinder.
Einsätze wählen Sie an der erkannten Bohrung; den Aufpreis für Veredelungen rechnet der Kalkulator ein.
Verbindlicher Preis, kein Angebotsprozess. Lieferzeit 15 bis 21 Tage.
Häufige Fragen zur Konstruktion
Der Kalkulator meldet es beim Hochladen. Meist betrifft es eine einzelne Rippe, und es genügt, diese Fläche aufzudicken. Alternativ wechseln Sie das Verfahren: Im SLA-Druck liegt die Grenze bei 0,3 statt 0,8 mm.
Nein. Stützen erzeugen wir beim Druckvorbereiten und entfernen sie danach. Konstruieren Sie das fertige Bauteil, nicht die Hilfsgeometrie.
Setzen Sie das Spiel als eigenes Maß und bestellen Sie beide Hälften im selben Auftrag, Verfahren und Material – dann verhalten sie sich gleich. Die erreichbaren Abweichungen stehen auf der Seite zu Toleranzen und Maßhaltigkeit.
Nein. Setzen Sie ein zylindrisches Loch an die richtige Stelle; der Kalkulator erkennt es und weitet es auf das Maß des Einsatzes auf – bei M3 auf 4,05 mm bei 6,7 mm Tiefe. Wichtig ist nur genug Material dahinter.
Ja, wir drucken das Netz, das in der Datei steht. Kantige Rundungen kommen von zu grober Tessellierung beim STL-Export. Exportieren Sie feiner oder laden Sie STEP hoch – daraus erzeugen wir das Netz selbst.
Nein, die Ausrichtung machen wir. Kommt es auf eine Belastungsrichtung oder eine maßhaltige Fläche an, sagen Sie uns das kurz – Mo bis Fr 10 bis 17 Uhr unter +49 163 2200275.
Am schnellsten klärt das Ihr Modell selbst
Statt jede Regel gegen Ihre Konstruktion zu halten: Laden Sie die Datei hoch. Sie sehen das Teil im Viewer, die Prüfung gegen Bauraum und Wandstärke, den Preis für alle drei Verfahren und die Lieferzeit. Wer noch kein Modell hat, findet unter 3D-Modell erstellen unsere kostenlosen Werkzeuge.

